– jetzt erst recht!

Von Winfried Prost

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Am Stammtisch schimpfen und politisieren, das haben Männer schon immer gemacht. Parolen singende Protestmärsche in den Städten gibt es je nach politischer Couleur mit Mistgabeln, Landesflaggen, Kirchenfahnen, Knüppeln, Cannabis, Alkohol, Regenbogenfarben oder Springerstiefeln auch schon seit Jahrhunderten.

Sind das Handlungen, durch die man Verantwortung übernimmt? Möglicherweise JA! Denn es ist im Zweifel besser zu demonstrieren als gar nichts tun!

Aber konkret und christlich könnte man auch fragen: Liebst du deinen Nächsten wie dich selbst? Also: „Kümmerst du dich auch um deine drei notleidendsten Kollegen, Verwandten oder Nachbarn – und vielleicht auch noch um einen Flüchtling?“

Selbst der oft hart abweisende Satz: „Kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten!“, ist so falsch nicht. Wenn jeder sein eigenes Leben und das seines engen Umfeldes auf die Reihe kriegen würde, wäre schon vieles gewonnen.

Da es aber leider faktisch nicht so ist, sollten fast notwendiger Weise diejenigen, denen ihr eigenes Leben gelingt, auch mit Sorge tragen, anderen zu helfen, denen das allein nicht gelingt.

Die Voraussetzungen sind bereits bei der Geburt für jeden anders, und der eine hat da schon ein Glückslos gezogen, der andere aber vielleicht eine Niete.

Da klingt es dann schon recht zynisch, wenn jemand sagt: „Jeder ist seines Glückes Schmied!“ Wenn einem ein paar harte Granitblöcke oder auch gar nichts ins Nest gelegt worden ist, dann lässt sich nichts schmieden!

Und es ist ebenfalls ein Unterschied, ob man Gold oder Eisen schmiedet. Beim einen ergibt es vielleicht ein filigranes Schmuckstück und beim anderen ein kaltes Schwert.

Und wer auf Rosenblätter gebettet wurde – oder auf Geldscheine, der schaut vielleicht ahnungslos hochnäsig auf andere herab.

Was soll der Einzelne also tun? Wie bewältigt man sein Leben am Besten?

Oft werden Worte und Maßstäbe zu groß gewählt, als dass sie hilfreich wären. Ein Satz lautet: „Jeder ist für die Welt verantwortlich!“ – „Na ja“, könnte man dann fragen, „wo fange ich denn da an? Da macht mein winziger Beitrag doch letztlich überhaupt nichts aus!  Das ist ja so, als wenn man als Arbeitsloser davon träumt, Millionär zu werden, und anfängt zu sparen. Das schafft man lebenslänglich nicht, und die paar Cent, die man jeden Monat beiseitelegen kann, sind zwar Ausdruck eines rühmlichen Vorsatzes, aber kein Weg zu einer Lösung!“

Vielleicht fängt man doch lieber im Kleinen an. Man kauft sich jetzt zum Beispiel einen Eimer Farbe und streicht sein Zimmer frisch an. Und wenn man fertig ist, hilft man noch einem anderen, dessen Zimmer zu streichen. Für das dritte Zimmer, das man anstreicht, wird man dann vielleicht schon anständig bezahlt. Sharing ist auch eine gute Idee. Dann haben nämlich im glücklichen Fall bei unveränderten Kosten mehrere den Nutzen von einer Sache.

Verantwortung übernehmen heißt nämlich: Handeln!“

Dabei geht es in der Selbstverantwortung darum, seine eigenen Dinge zu regeln. In der familiären oder gesellschaftlichen Verantwortung im eigenen Umfeld, aber auch um andere.

Das ist nicht nur edel und wohltätig, sondern notwendig für das Gelingen und ein friedliches Zusammenleben aller in der Gemeinschaft, in der wir leben. Wenn wir nicht auch füreinander Verantwortung übernehmen, werden einige leiden und zugrunde gehen.

Diese Verantwortung ist vor allem im näher überschaubaren persönlichen Umfeld relevant. Je mehr Module eines großen Ganzen intakt sind, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass auch das Ganze, die Gemeinschaft, die Gesellschaft funktioniert.

Und da sollte man sich nicht mit zu großen Plänen übernehmen, sondern vor allem pragmatisch, klug und effektiv vorgehen.

Wenn man sich kleine Ziele setzt und möglichst viele daran beteiligt, kann man einen großen Effekt erreichen. Eine Idee so gut zu kommunizieren, dass sie Viele ins Handeln bringt, ist ebenfalls ein sinnvoller Weg.

Ein manchmal gehässig und schadenfroh verwendeter Satz lautet: „Von nichts kommt nichts!“ Aber auch dieser Satz hat seine physikalische und psychologische Wahrheit: „Ohne Impuls keine Wirkung!“ Also geht es um den ersten Impuls, den zweiten und vielleicht auch den dritten: Erst die Idee, dann die klaren Worte und dann durch Handlungen Fakten schaffen.

Es ist wichtig, anzufangen. Wenn man disputiert und streitet, ob man eine Reise, einen Bau oder ein Projekt starten soll, bleibt man oft im Streit stecken. Handeln ist wichtig, schon bevor man eine Million Startkapital hat.

Man kann nämlich auch vorher schon Skizzen  zeichnen, Experten um Rat fragen, einen Finanzierungsplan erstellen, Investoren suchen, Probeprojekte starten und sie so lange justieren, bis sie funktionieren und kopierbar oder in Serie produktionsreif sind. Wenn etwas erst einmal läuft, springen andere oft leichter auf, als im Vorstadium, in dem noch niemand weiß, ob wirklich etwas aus hochfliegenden Plänen wird.

Dabei ist es wichtig, sich bewusst zu machen: Jede Handlung und jeder Schritt birgt Risiken. Manche Menschen nehmen diese Risiken als Vorwand, gar nicht zu handeln.

Auch hier gibt’s eine alte Weisheit: „Wer nichts wagt, der nichts gewinnt!“ Das bedeutet, nur wenn du ins Risiko gehst und hindurch, hast du überhaupt eine Chance etwas zu gewinnen.

Das ist keine Garantie, aber ein Anfang. Und unterwegs bleibt es wie beim Autofahren deiner Wachheit überlassen, das begonnene Unternehmen, die begonnene Autofahrt so wach und reaktionsschnell zu steuern, dass du das Ziel erfolgreich erreichst.

Und da die Zukunft im Dunkeln liegt, und auch beim Autofahren die Scheinwerfer und die „Vorsicht“ nur eine begrenzte Reichweite haben, geht es immer darum: „Auf Sicht zu fahren.“

Aber eben doch zu fahren und nicht stehen zu bleiben. Das kann nur im äußersten Notfall, wenn es dicken Nebel oder Glatteis gibt, richtig sein, aber nicht im normalen Leben. Da gilt für die meisten Fälle das, was als Faustregel aus dem Schwabenland stammt: „Stein auf Stein, Stein auf Stein, s’Häusle wird bald fertig sein!“

Gewiss, es gibt auch Fertighäuser, aber wenn viele Leute gemeinsam schaffen, und das sind in manchen Orten und Gemeinschaften eben die Geschwister, Schwäger und Kumpels vom Dorf, die alle mithelfen, dann geht es auch in traditionell handwerklicher Weise vermutlich billiger als ein günstiges Fertighaus.

So mag man ja auch nicht die ewig besserwisserischen Zaungäste, die gaffen, gute Ratschläge geben und schwätzen, aber eben nicht mit anpacken. Oder die, die wirklich oder scheinbar alles wissen, es aber nicht umsetzen können: „Wissen nützt wenig, Können ist König.“

Ein Lob also auf die Handelnden, ein Applaus für diejenigen, die etwas unternehmen, feiern wir doch solche, die etwas wagen und die etwas wirklich vorantreiben.

Wenn jemand es dann außerdem schafft, seine eigenen Dinge so zu tun, dass sie zusätzlich auch anderen nutzen und etwas davon haben, dann ist das eine Synthese aus gesunder Selbstverantwortung und gesundem Gemeinschaftssinn oder kollektiver sozialer Verantwortung.

Umgekehrt ist es a-sozial, wenn man sich nur um Eigenes kümmert und unabhängig vom Nutzen oder Schaden für die Gemeinschaft.

Und wenn sich dann noch jeder nur um eine einzige oder sogar zwei andere Personen kümmern würde, die trotzdem nicht klar kommen, dann könnte man hoffen, dass jedem geholfen ist.

Zumutbar? Ja, das ist nämlich eigentlich kein Problem. Jeder kann damit beginnen für einen anderen etwas Hilfreiches zu tun: ihn etwa mit einem Lächeln aufzumuntern, eine kleine Handreichung zu machen, oder sich mit einer Frage nach dem Wohlbefinden zu erkundigen. Dabei zählt nicht die Absicht, sondern nur die Tat.

„Ich wollte dir eigentlich ein Geburtstagsgeschenk mitbringen“ ist eben etwas anderes als: „Diesen Kuchen habe ich extra für dich zum Geburtstag gebacken!“

So wünschen wir einen guten Appetit und Lust am Handeln. Und wir fügen einen Satz vom alten Laotse hinzu: „Das Lächeln, das du aussendest, kehrt zu dir zurück!“

In umgekehrt reziproker biblischer Fassung lautet es: „Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein!“ oder frei übersetzt für heute: „Für jeden Kuchen, den du backst und verschenkst, erhältst du einen anderen Kuchen oder mindestens ein Lächeln zurück!“

Fang also einmal an die Welt zu verbessern und zu versüßen, indem du zum Beispiel  für jemanden einen Kuchen backst! Am besten mit viel Schokolade! So einfach ist das.