Wie schicksalhaft sind wir der Zukunft ausgeliefert?

Wie schicksalhaft sind wir der Zukunft ausgeliefert?

2019-02-15T08:17:15+00:00

– Was Sie erdulden müssen und was Sie aktiv gestalten können.

„Zukunft“ ist im wortgeschichtlichen Sinn das, was auf uns zukommt. Das kann zum Beispiel der Sommer, der Herbst und der Winter, das nächste Lebensalter, die nächste Wahl oder die nächste Regierung sein. Darauf kann man persönlich zunächst einmal wenig Einfluss ausüben, man ist all dem ausgeliefert. Es ist wie etwas, das einem geschickt wird, und solches nennt die Sprache dann „Schicksal“. Und dieses glauben viele Menschen erleiden und erdulden zu müssen.

Wahlmöglichkeiten

Aber sind wir wirklich nur ausgeliefert, oder können wir mit all dem nicht auch gestalterisch umgehen?

  • Ja, der nächste Sommer kommt bestimmt und man muss seine Hitze oder seine Gewitter ertragen. Aber man kann ihn auch im Rahmen verschiedener Möglichkeiten gestalten oder sich zu ihm verhalten. Man kann einen wunderschönen Garten anlegen und gestalten, man kann sich eine Klimaanlage einbauen, in ein kühleres Land reisen oder sich tagsüber leicht bekleidet in die Sonne oder in den Schatten legen und seine Arbeit in die kühleren Stunden der Nacht verlegen.
  • Ja, das nächste Lebensalter kommt ebenfalls gewiss, aber man kann es auch auf sehr unterschiedliche Weise aktiv gestalten. Man kann allein bleiben oder sich mit anderen verbinden, man kann sich passiv verhalten oder kreative Ideen aktiv umsetzen. Man kann sich weiterbilden und Überblick erschaffen, klüger oder weiser werden, oder einfach immer im Kreis dasselbe tun.
  • Und ja, wenn man nach seiner Ausbildung mit seinem Job in einem bestimmten Fachbereich erst einmal auf einer Schiene ist, dann kann das eigene Leben auch bis zum Ruhestand mit bestimmten voraussehbaren Stationen so auf einen zukommen. Man könnte sich aber auch durch Weiterbildung und Umschulung für andere Tätigkeiten weiter qualifizieren und sich sogar für neue, andere Stellen bewerben.
  • Auch der Tod scheint ein unentrinnbares Schicksal zu sein, das einem die Zukunft irgendwann bringt und zumutet, aber man hat auf jeden Fall eine Menge Einfluss darauf, die eigene Lebenserwartung etwa durch riskante und ungesunde Verhaltensweisen zu verkürzen oder durch eine gesunde und durch Sinn motivierte Lebensweise zu vitalisieren und zu verlängern. Das kann durchaus ein Drittel der Lebenszeit ausmachen.

Negative und positive Lebenshaltungen und Glaubenssätze

Passivität und Schicksalsergebenheit sind eine Opferhaltung. Sie drücken eine beschränkte und resignierte Einstellung aus, mit der Zukunft und seinem eigenen Schicksal umzugehen. Alternativ kann man aber auch die Zahl der eigenen Wahlmöglichkeiten erweitern, verschiedene ausprobieren, den Preis für die eine oder andere abwägen und dann eine Entscheidung treffen, die man unter Umständen auch wieder revidieren kann.

Man hat zwar vielleicht nicht in jedem Moment, aber doch immer wieder Gelegenheiten, selber aktiv Weichen zu stellen. Man kann mit dem Vorhandenen umgehen, man kann es anders gestalten oder sich anders dazu verhalten und aus dem Vorhandenen oder im Gegensatz dazu etwas Neues entwickeln.

Die wichtigste Voraussetzung: ein positives Selbstwertgefühl

Die meisten Menschen, die ihr Leben nur ertragen, abwarten oder erleiden, neigen kaum zur aktiven Selbstreflexion, haben meistens keine klaren Ziele, wenig Initiative sowie ein geringes Selbstwertgefühl. Entsprechend wird im umgekehrten Sinn schon klar, worauf es im Positiven ankommt: Sich den eigenen Wert bewusst zu machen, sich Ziele zu setzen, die einem etwas bedeuten und die Startenergie aufzubringen, sich für ihr Verwirklichung einzusetzen.

Es kann ganz leicht gehen

Dabei muss eine Weichenstellung, eine Entscheidung wirklich nicht immer ein Kampf sein, es kann auch wie im Stellwerk eines Bahnhofs nur durch einen Knopfdruck ein Signal oder eine Weiche gestellt werden, und der Verkehr fließt geschmeidig und reibungslos. Genauso kann das Wasser bei einer Schleuse, je nachdem durch welchen Kanal es gelenkt wird, ganz leicht einen anderen Weg nehmen.

Es kann auch schwer sein

Es hat auf der anderen Seite immer auch Menschen gegeben, die zeitgemäß oder unzeitgemäß sogar „gegen den Strom“ gelebt haben uns anders als die Mehrheit zum Beispiel als freier Geist, als Künstler, Erfinder, Held oder akribisch sich an Recht und Gesetz haltender ehrbarer Richter oder pedantisch genauer teuer Buchhalter gewirkt haben. Wieder andere haben sich in eine Nische zurückgezogen und dort etwas ganz Spezielles vollbracht. Sie alle können Beispiel sein, dass nicht der „Mainstream“ das eigene Schicksal vorbestimmen muss, sondern dass jeder die Freiheit und Möglichkeit hat, eigene Vorstellungen, Werte und Ideen in das Vorhandene und unausweichlich auf uns Zukommende prägend einzuweben. Dabei sind Kreativität, Klugheit und Mut gute Begleiter auf dem Weg eigener Selbstverwirklichung, aber es kann auch Situationen geben, in denen man sich mit der Machete oder mit der Brechstange den eigenen Weg bahnen oder freiräumen muss.

Wie man Stolz und Freude gewinnt

Ob man sein Leben nun durch einfache Weichenstellungen mitgestaltet oder sich seinen Weg durch harten Kampf gegen Widerstände erkämpft, erst die eigene Mitgestaltung macht es eben zum eigenen und zum Ausdruck des eigenen Willens und der eigenen Persönlichkeit. Dafür und für das Gelingen dieses Versuchs die Verantwortung zu übernehmen, macht einen erst zur autonomen Persönlichkeit. Und selbst der gescheiterte aktive Versuch gibt einem das Recht, auf den Versuch stolz zu sein.

Gelingt er jedoch, und sei es erst im wiederholten Anlauf und wiederholten Versuch, so kommt zum Stolz die Freude der geglückten Selbstverwirklichung hinzu.

Winfried Prost