Leben verpfuscht?

Stressgeplagte Berufstätige können etwas für ihr persönliches Lebensglück tun.

Wenn man es merkt und empfindet, ist es oft schon fast zu spät: „Hätte ich damals doch….!“ lautet dann vielleicht die Klage. Vielleicht ist es auch eine verpasste Gelegenheit, die man später bereut, eine vorschnelle Trennung, ein vorschnelles Urteil, eine Unterlassung oder was auch immer.

Aber der Stress, die dringenden Notwendigkeiten im Beruf, die sich insbesondere in Führungspositionen häufen, können alle persönlichen und privaten Wünsche und Bedürfnisse so überlagern, dass man es dort versäumt, rechtzeitig die richtigen Entscheidungen zu treffen und seine Aufmerksamkeit auf das, was wirklich wichtig ist, zu richten.

Oft hätte man früher mit etwas Voraussicht und etwas langfristigerem Denken die Folgen seines Handelns zumindest vorausahnen können, aber eine damals kurzfristig spontane, affektive und unreflektierte Handlungsweise zeitigt vielleicht später Folgen, die einen quälen.

Weise Voraussicht ist eben nicht immer eine Selbstverständlichkeit im Alltag, aber ihr Mangel kann später wehtun.

Manche Menschen leiden dann an solchen Folgen, andere mögen sich nicht daran erinnern und verdrängen die Tatsachen und die Folgen. Langfristig sind sie schlimmer dran. Während die Ersteren sich noch Gedanken darüber machen können, wie Sie einen Fehler wieder gut machen oder zumindest entschärfen können, schmort bei den anderen das Leiden im Untergrund fort und kann sich heimlich zum Beispiel als depressive Stimmung, als Burnout oder als anderes körperliches Symptom manifestieren.

Die Steuerung des eigenen Lebens und der eigenen Person auf einem langfristigen Weg ist gewiss keine leichte Aufgabe. Wechselnde Lebensalter, sich verändernde Ziele und Prioritäten, sowie wechselnde äußere Umstände sind schwerwiegende und ernsthafte Herausforderungen, die es in der eigenen Lebensführung zu meistern gilt. Früher galten oft Philosophen als die Gesprächspartner für die eigene Lebensreflexion, aber seit sie allgemein gültige Grundsätze, Lebensweisheiten und Lehren zu verkünden suchen und aufgehört haben situativ zu reflektieren, haben vielfach Coaches die Nachfolge der Begleiter bei der Lebensreflexion übernommen, manchmal auch Therapeuten, wobei man sich, um zu ihnen zu gehen, eigentlich schon selbst für krank halten muss. Lebensreflexion ist aber in erster Linie etwas für Gesunde, selbst wenn sie an den Folgen früheren Handelns oder an unlösbar scheinenden Fragen und Zwiespälten leiden.

Durchaus mag gelten, dass langandauernde Zwiespälte krank machen. Umso wichtiger ist es für eine persönliche Psychohygiene, sich gelegentlich die Zeit für eine grundsätzliche Reflexion des eigenen Handelns und der diesem zugrunde liegenden eigenen Werte, Prinzipen und Prioritäten zu nehmen und diese zu klären. Dann kann man sie wieder zu einer Maxime des eigenen Handelns machen und hat Maßstäbe für konkrete Entscheidungen an jedem Tag.

Dr. Winfried Prost bietet in der Akademie für Ganzheitliche Führung in Köln im kleinen Kreis dreitägige Seminare / Retreats für solche Reflexionen unter dem Titel: „Führung der eigenen Person“ an und begleitet dabei in individuellen Einzelgesprächen auf dem Weg zu neuer persönlicher Klarheit. Viele Führungskräfte nutzen dieses Angebot mittlerweile seit Jahren regelmäßig.

Verpfuscht? – das muss nicht sein. Für das Gelingen kann man etwas tun.