Krisenkommunikation

Man kann darüber reden oder gleich zuschlagen. Diktator Kim und Präsident Trump lassen – noch in Worten – eine gewisse Neigung zu Letzterem durchblicken. Auch Zuschlagen ist Kommunikation, nonverbale.

Hier ist natürlich gefragt| Wie könnte man mit verbaler Kommunikation zu friedlichen Dauerlösungen kommen?

Das, worum es meistens geht, ist erstens Vertrauen. Das Zweite ist Vertrauensfähigkeit. Diktatoren fühlen sich häufig bedroht und neigen deshalb zu Misstrauen. Sie sind selten vertrauensfähig. Dadurch agieren sie vielfach verdeckt und sind deshalb auch nicht vertrauenswürdig in ihren Aussagen. Zu Einschätzung ihrer Verhaltensweisen wird man ihr Verhalten während der letzten Jahre analysieren und einen Vergleich zwischen ihren Worten und Verhaltensweisen der letzten Jahre ziehen müssen.
Bei vielen Reden von Donald Trump konnte gezeigt werden, dass ungefähr 70 Prozent der Behauptungen darin sachlich falsch waren. Viele seiner Entscheidungen scheinen kurzfristig und affektiv ausgelöst zu werden. Er langfristige Strategien entweder verdeckt oder inkonsequent zu verfolgen und wirkt oft sprunghaft und wenig verlässlich. Wer aber schwer berechenbar ist, gilt kaum als Vertrauenspartner für andere Personen.
 

Bei Trump scheint Loyalität vor allem zu zählen. Man könnte auch „blinde Unterwerfung“ sagen, dann wäre sein System dem mancher Diktatoren ähnlich. 

Krisenkommunikation bräuchte eine Basis von Vertrauen, verfügt aber oft nicht über diese Grundlage. Man braucht also andere Strategien und Werkzeuge, um doch zu verlässlichen Vereinbarungen zu kommen, Früher  gab man Konigssöhne oder -Töchter gelegentlich als Pfand zu einer Vereinbarung hinzu, um nicht nur auf Vertrauenswürdigkeit zu setzen, sondern auch auch Erpressbarkeit. Heute sichern die Medien teilweise die
Autorität von Personen und ihren Verlautbarungen ab. Wer sich öffentlich nicht an sein Wort hält, ist disqualifiziert. Aber um Ausreden ist auch niemand verlegen, die ihm helfen, sich von früheren Zusagen zu distanzieren,

Also muss der Weg zum anderen vermutlich über eine Analyse seiner Motive, seiner Interessen und seines Charakters gehen. Verhärtet sich jemand, wenn er Angst bekommt oder weicht er zurück? Nutzt eine Person jede Gelegenheit zur Selbstdarstellung oder zieht sie sich öffentlich eher zurück? Reagiert sie vor harten Entscheidungen eher laut oder leise, agiert sie langsam und behutsam oder blitzschnell wie im Kampfsport?

 
Jeder eigenen Aktion sollte in heiklen Krisensituationen mit schwer kalkulierbaren Partnern oder Gegnern eine genaue Analyse von deren Verhaltensmustern und Beweggründen voraus gehen, man nennt die Recherche und Auswertung von Informationen über den oder die anderen „Profiling“.

 

Zusätzlich sollte man sicher über die eigenen Verhaltensmuster klar werden. Ist man zu nachgiebig, zu harmoniebedürftig oder gar zu feige, um einem aggressiven Gegenüber bestehen zu können, ist man zu viel oder zu wenig intellektuell oder zu emotional oder zu unemotional, um sich dem anderen verständlich zu machen und ihn zu beeinflussen oder sogar zu gewinnen? We wäre dafür besser geeignet und wenn könnte man alternativ in eine Auseinandersetzung schicken. Manchmal könnte da ein Anwalt, in anderen Fällen aber auch ein freundschaftlicher Kumpel hilfreich sein. Zeugen und schriftliche Vereinbarungen sind ebenfalls ein Mittel, um mit schwer einschätzbaren Personen zu Ergebnissen zu kommen, manchmal aber auch das Vertagen auf einen Zeitpunkt, bis zu dem sich alle wieder beruhigt haben. Wer führen will, muss in Verhandlungen bestehen und sich durchsetzen können. Deshalb liegt der dialektisch-psychologische Ansatz nicht nur in der Formulierung von Gegenargumenten, sondern zugleich im aktiven Beziehungsmanagement, in der Charakter- und Motivanalyse und im strategisch kalkulierten Umgang mit dem Gegenüber sowie seinen möglichen Attacken. Es gilt, selbst den Überblick über eine Streitlage zu behalten, und abhängig von Personen und Umständen offensiv eskalierend oder deeskalierend, sachlich oder emotional oder durch einen plötzlichen Strategiewechsel Ziele anzustreben und zu erreichen. Mehr dazu in meinen Dialektik- und Führungsseminaren.

 

Winfried Prost